17.11.1989 “Das gelobte Land” (Freitag)

17 November 2009 von Johann-Georg Jaeger Kommentieren »

Für den 16.11. 1989, an dem wieder die Andachten stattfanden und die anschließende Demo durch Rostock zog, steht in meinem Tagebuch nur der Satz “Zum ersten Mal las ich bei keiner Andacht mit”. Auf der Demonstration habe ich mich mit einer guten Freundin für den nächsten Tag zu einer Fahrt mit der Fähre nach Dänemark verabredet.
Frühmorgens am 17.11. brachen wir mit der S-Bahn und Fahrrädern zur Fähre nach Warnemünde auf. Auf Fußgänger und Radfahrer war man auf dort  nicht eingestellt und so kamen wir ohne Tickets auf die Fähre, die gegen 4 Uhr abfuhr. Nach zwei Stunden Überfahrt kamen wir am Hafen Gedser an. Wir hatten keine Ahnung, wie klein Gedser war und dass es dort keinen richtigen Aufenthaltsraum zum Aufwärmen gab. Als endlich der erste kleine Laden öffente, konnten wir uns etwas zum Frühstück kaufen. Die dänischen Ladenbesitzer luden uns zu einem kleinen Frühstück ein und haben sich mit uns über die Grenzöffnung gefreut.
Das Wetter war ungewöhnlich schön für den Monat November. In den Häusern gab es keine Gardinen, an allen wichtigen Straßen Radwege und überall Windkraftanlagen – irgendwie erschien mir das alles wie das “gelobte Land”.  Für mich war Dänemark eine realexistierende gesellschaftliche Perspektive. Später  gab es auch unterschiedliche Arten der Unterstüzung aus Dänemark. Das Folkecenter, das sich mit regenerativen Energien beschäftigt,  schickte zum Beispiel einen Mitarbeiter, der erste Standortvorschläge für Windkraftanlagen an der Ostseeküste unterbreitete.

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