24. 11. 1989 Ausländerfeindlichkeit (Freitag)

25 November 2009 von Johann-Georg Jaeger Kommentieren »

Auszug aus dem Tagebuch vom 24. 11. 1989 (Johann-Georg Jaeger):
“Draußen war alles verschneit und taute auch nicht weg.
Mit Frauke Lietz aß ich mIttag. Dann begann ich mit einer großen Wäsche bei Johanna und fuhr danach nochmal kurz in die Stadt. Die Verkäuferinnen unterhielten sich begeistert über die neuen Bestimmungen, die den DDR-Ausverkauf verhindern sollen. Die Ausländerfeindlichkeit ist beschähmend und tut richtig weh, wenn ich an den letzten Sommer im gastfreunldichen Polen denke.
In der Petrikirche trafen sich die Ökokreise Rostocks. Am Abend die gute Nachricht, daß die Parteiführung in der CSSR zurückgetreten ist.”
Ende des Auszugs

Erklärung:
Mit den offenen Grenzen verschärften sich natürlich auch die wirtschaftlichen Probleme der DDR. Die ganz unterschiedlichen Preissysteme von Ost und West prallten nun wieder wie vor dem Mauerbau 1961 aufeinander. Es gab damit ökonomisch keine Chance mehr für die DDR. Die “Ausverkaufproblematik” war der offensichtliche Anlaß für Bestimmungen, um diese einzudämmen. In der Bevölkerung wurden damals vor allem die Polen als Schwarzmarkthändler erlebt und  für das Versagen des Wirtschaftsystems der DDR mitverantworlich gemacht. Diese polenfeindliche Stimmung haben wir damals sogar in den Andachten erlebt, wenn es zu positiven Aussagen über das Engagement der Polen vereinzelte Unmutsäußerungen von Zuhörern gab.

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